Wofür die grünen Träume sind

Eine Buchbesprechung des Titels „Ulrich Schachtschneider, Freiheit, Gleichheit, Gelassenheit – Mit dem Ökologischen Grundeinkommen aus der Wachstumsfalle“, München 2014.

Der Titel „Freiheit, Gleichheit, Gelassenheit“ begeistert rundum für die nun schon lange diskutierte und gehegte grüne Leitidee der nachhaltig-guten Lebenswelt in einer Postwachstumswirtschaft. Wer noch immer nicht beeindruckt ist vom Grundeinkommen als gerechter Idee eines konstruktiven Sprungs in eine Bürgergesellschaft für Alle, der findet hier die Fülle an politischen Argumenten folgerichtig, stringent und schlüssig dargelegt vor.

Die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens sieht vor, dass die Gesellschaft jedes Individuum auf Lebenszeit ausreichend für seine Teilhabe und Existenz mit einem individuellen Rechtsanspruch darauf versieht – ohne eine Gegenleistung zu verlangen; mit der neu eingeführten lebenslang gültigen Steuer-ID sind wir diesem Anspruch auch ein Stück in der Praxis näher gekommen. Dieses BGE-Paradigma, das der heutigen sog. Sozialpolitik mit Arbeitszwang, Bedürftigkeitsprüfung und Sanktionen diametral entgegensteht, wird mit wachsender Zustimmung weltweit diskutiert und als gesetzliche Regelung in vielen Staaten gefordert.

In einer komplexen, verstädternden Welt mit globalem Wandel und forcierten Anpassungen durch Individuen ist Entschleunigung auf allen Ebenen angesagt und die Wiedergewinnung der Handlungsfähigkeit von selbsthilfefähigen Akteuren nötiger denn je, um gute Entscheidungen für das Leben in allen Phasen zu ermöglichen und nicht nur falschen Pragmatismus anhand demütigender Armut oder unter Druck stehendem Reichtum abzunötigen.

Dies ist vor allem auch für die Hälfte der Menschen, für die Frauen wichtig, die in ihren meist notorisch brüchigen Lebensläufen zwischen Berufsausbildung, Kind(ern), Beruf, Berufswiedereinstig(en) und Care vor allem in der bundesdeutschen Politikgestaltung bisher nur zwischen Alg2-Abzocke und tendenzieller Dauerverarmung durchs Leben ziehen müssen, und für die berufstätigen Frauen überhaupt erstmals eine Chance, eine sinnvolle, wenigstens mittelfristige Planung anzugehen.

In neun gut nachvollziehbaren Kapiteln stellt Ulrich Schachtschneider die Leitgedanken seines das Postwachstum stützenden Grundeinkommens dar. Die Nötigkeit einer Heilung des Sozialstaates ebenso wie des Umweltstaates erfolgt mithilfe der ökonomischen Begründung der Ökobesteuerung mit Rück-(Um-)verteilung (Tax and Share) an Alle. Weiterhin legt der Autor Bezug nehmend auf Hartmut Rosa`s Beschleunigungszirkel die Wirkungen des ÖGE (Ökologisches Grundeinkommen) für die Entschleunigung des kulturellen, ökonomischen und strukturellen Motors dar.

Eine Besteuerung nach dem Prinzip des Tax and Share (statt des traditionellen Cap and Tax), als Besteuerung des ökologischen Fußabdrucks mit der gleichzeitigen Rückführung eines Öko-Bonus an alle BürgerInnen der Gerechtigkeit willen wird als machbare Strategie zur Finanzierung des ÖGE vorgetragen. Hier setzt Ulrich Schachtschneider auf Steuerabgaben, die die Ressourcenverbrauch dort verteuern und besteuern, wo gedeckelte Gesamtentnahmen an Rohstoffen und Energien den individuellen Konsum durch Preisgestaltung drosseln können und fordert eine Rückverteilung der Überschüsse an jedes Individuum; diese kann als Geldbetrag, als (steuerlicher) Freibetrag oder auch als frei verfügbare materiale Kontingente zur individuellen Verfügung gestellt werden.- Er meint, dass damit ein Großteil des Budgets für ein nachhaltig-emanzipatives Grundeinkommen für Alle bestritten werden kann und ein ressourcenleichter Lebensstil zu Gelassenheit in der Lebensführung, authentischere Produktion und Selbstbestimmung von Lebensphasen führen wird.

Der Blick liegt dabei langfristig auf einer Ökonomie mit der Rahmung durch einen Green New Deal, bei dem nunmehr der Ausgleich hinsichtlich Effizienz, Konsistenz und Suffizienz also auch durch die Ermöglichung von alternativem Konsum (ökologische Modernisierung) ebenso wie weniger Konsum (Postwachstum) und insgesamt damit libertär und anti-produktivistisch, aber stützend realisiert werden soll.

Zum Abschluss wird auf Einwände grundsätzlicher Art eingegangen und die Lebendigkeit des Voranschreitens mit dem ÖGE beurteilt als ein evolutiver Weg, der mit Sorgfalt im Handeln-Struktur-Zusammenhang gehegt werden soll. Meines Erachtens bringt uns das Buch die grüne Zukunft ein Stück näher und macht mitreißend Sinn, wenn es darum geht, den Rucksack der Produkte, den eco-Fußabdruck der BürgerInnen und Zero-Emission-Normen im größeren Stil auszuarbeiten, um konkrete Handhabe für mehr öko-soziale Gerechtigkeit in einer nachhaltigen, entschleunigten Lebenswelt zu erreichen.-

Eine Buchbesprechung von Dipl.-Vw. Renate Straetling (Berlin-Mitte – Anfang Januar 2015) des Titels Ulrich Schachtschneider, Freiheit, Gleichheit, Gelassenheit – Mit dem Ökologischen Grundeinkommen aus der Wachstumsfalle, 152 Seiten, oekom verlag München, 2014 – ISBN-13: 978-3-86581-693-1, erschienen im Sept. 2014.

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